Erfolgsgeschichte Uganda / Mit Automatisierung zu neuer Leistung

Anfang Februar 2021 reiste Hans Kissling virtuell nach Uganda. Nach vier Monaten schloss er seinen ersten SEC-Fernberatungseinsatz bei einem Agrarunternehmen erfolgreich ab: Gemeinsam setzten Kunde und Experte ein automatisiertes Lagerverwaltungssystem auf.

Der SEC-Kunde ist in Ugandas grösstem Wirtschaftssektor, der Landwirtschaft, tätig. Das Agrarunternehmen «MARA Agribusiness» verkauft landwirtschaftliche Produktionsmittel und operiert im Kaffeehandel. Es stand vor einem grossen Problem: Seine fünf Filialen in ländlichen Gegenden Ugandas waren nicht an ein automatisiertes Bestandsverwaltungssystem angeschlossen und so lief die Kommunikation zu den Lagerbeständen in den Filialen erschwert ab. Dies verunmöglichte eine effiziente Verwaltung der Filialen, denn der genaue Bestand des Inventars war am Hauptsitz nicht immer bekannt.

Bei seinem viermonatigen SEC-Fernberatungseinsatz konnte der erfahrene Agrar-Ökonom und SEC-Experte Hans Kissling den Kunden mit seinem breiten Fachwissen zu Logistik unterstützen. Als Unternehmensberater mit eigenem Ingenieurbüro liegt einer von Hans Kisslings Arbeitsschwerpunkten auf dem computerintegrierten Logistik-Management. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Agrarunternehmens analysierte er, was das Unternehmen für eine effiziente Verwaltung seiner Lagerbestände braucht. Das Resultat dieses Beratungseinsatzes war die Beschaffung und Anwendung eines automatisierten Lagerverwaltungssystems.

Hoffnung trotz strengen Lockdowns
Dank der kompetenten Unterstützung durch Hans Kissling ist es dem Kunden nun möglich, den Überblick über den Lagerbestand und den getätigten Verkäufen zu behalten. Gerade in Ugandas strengen Lockdowns dieses Sommers ist dies sehr nützlich, denn so muss der Geschäftsführer nicht wie früher von Verkaufsstelle zu Verkaufsstelle die Lagerbestände kontrollieren gehen, sondern kann sie von zuhause aus einsehen. Diese erfolgreiche Automatisierung der Verkaufsabläufe zeigt auch auf, dass in Uganda im Bereich des Einsatzes von Digital- und Kommunikationstechnologien grosses Entwicklungspotenzial herrscht.

Silas Gwamoiza, SEC-Koordinator in Uganda, berichtet: «Eine Mehrheit der Unternehmen in Uganda musste aufgrund der Pandemie und damit einhergehenden Lockdowns Mitarbeitenden kündigen.» Auch der Kunde musste durch die Pandemie fünf seiner achtzehn Angestellten entlassen, da seine Verkäufe rückgängig waren. Durch die Unterstützung des Experten mit einem Folgeeinsatz fasst der Geschäftsführer neue Hoffnung: «Ich erwarte, dass sich der Umsatz durch einen gemeinsam entwickelten Businessplan wieder steigert.» Zudem hat der Einsatz ein weiteres schönes Ergebnis zur Folge: «Hans Kissling und ich sind Freunde geworden, und ich hoffe, das bleibt auch so!», sagt der Geschäftsführer.

Zum Kunden
Mit dem Slogan «leading farmers to prosperty» wirbt das Agrarunternehmen «MARA Agribusiness». Es versteht sich als soziales Unternehmen und möchte mit jungen Menschen aus ländlichen Gegenden zusammenarbeiten. Ungefähr 70% der Uganderinnen und Ugander zwischen 18 und 35 Jahren sind arbeitslos. Die Vision von «MARA Agribusiness» ist es, diese jungen Menschen mit einem Kursangebot im Bereich Kaffeeanbau zu stärken und mit hochwertigen landwirtschaftlichen Produktionsmitteln zu versorgen.

Durch die angebotenen Trainings sollen 2500 junge Kaffeeproduzentinnen und -produzenten bis 2025 in den Kaffeehandel einsteigen können. MARA bietet in ihren Filialen die nötigen Produktionsmittel für den Kaffeeanbau. Gleichzeitig fungiert sie als Abnehmerin für die Ernte, die sie weiterverarbeitet und verkauft.

Auch das Team von MARA ist jung. Geleitet vom Anspruch innovativ und unternehmerisch zu sein, hat es sich sehr offen gezeigt, die Anregungen des Experten aufzunehmen. Die Automatisierung der Arbeitsabläufe in den Filialen setzte das Team erfolgreich um.

SEC-Experte Hans Kissling im Interview

Wie beurteilen Sie die erzielten Ergebnisse und was waren Ihrer Meinung nach die Erfolgsfaktoren dafür?
Der Kunde benötigte Unterstützung in der Beschaffung eines IT-Systems, das die Verwaltung von Lagerbeständen automatisiert. Im Verlauf der Situationsanalyse und der Anforderungsdefinition stellte sich heraus, dass ein Auftragsabwicklungssystem mit Lagerverwaltung notwendig ist, um die Anforderungen langfristig zu decken. In der Evaluationsphase wurde letztlich ein Anbieter ausgewählt, dessen System die Pflichten erfüllen kann und mit dem ein vorteilhafter Vertrag erarbeitet werden konnte. Das System wurde eingeführt, die Mitarbeitenden entsprechend geschult und das System funktioniert offenbar zur besten Zufriedenheit.

Grundlage dieses Ergebnisses war ein hochgradig systematisches Vorgehen. Dies nahm zwar mehr Zeit in Anspruch als vom Kunden angenommen, führte aber letztlich zum Ziel und zu vielen neuen Erfahrungen.

Was waren für Sie die besonderen Herausforderungen dieses Ferneinsatzes?
Beim Ferneinsatz stehen ausschliesslich die Kommunikationsmittel Telefon und E-Mail zur Verfügung. Man sieht die eigentliche Situation vor Ort nicht, man kann die Bedürfnisse lediglich abschätzen, in sämtlichen Arbeitsschritten ist man von den Meldungen des Kunden abhängig. Eine spontane Einflussnahme ist praktisch unmöglich.

Eine zweite Herausforderung war das «Wording». Für sämtliche Arbeitsschritte musste ein gegenseitiges Verständnis zum Inhalt, zum Vorgehen und zu den erwarteten Wirkungen erzielt werden.

Was sind bei einem Ferneinsatz die Herausforderungen für den Kunden?
Für den Kunden ist alles noch viel spezieller als für den Berater: Er kennt den Berater nicht, weder seine Fähigkeiten noch seine Erfahrungen oder seinen Arbeitsstil. Trotzdem sollte er darauf vertrauen können, dass der Berater die Bedürfnisse des Kunden erfassen kann, die Handlungsmöglichkeiten kennt und das richtige Vorgehen vorschlägt. Und das alles nicht im persönlichen Gespräch vor Ort, sondern meist zeitlich getaktet am Telefon oder elektronisch. Der Kunde muss sich also permanent überzeugen, dass er die gesetzten Ziele ohne die Empfehlungen des Beraters nicht erreichen könnte. Das ist meiner Meinung nach schon sehr speziell.

Welche spezielle bzw. zusätzliche Rolle kommt bei einem Ferneinsatz der lokalen Koordinationsstelle zu?
Gerade bei einem Ferneinsatz ist es wichtig, dass die Koordinationsperson sehr nahe beim Kunden und beim Berater ist. Sie sollte oft und regelmässig die Befindlichkeiten des Kunden erfragen, nämlich jene Befindlichkeiten, die der Kunde dem Berater aus irgendwelchen Gründen nicht mitteilen will. Der Berater erhält dadurch zusätzliche Informationen, beispielsweise bei welchen Themen er andere Vorschläge bringen oder wo er sich zurücknehmen soll.

Die Koordinationsperson unterstützt also sowohl den Kunden wie auch den Berater, zwar nicht inhaltlich, aber umso mehr zwischenmenschlich auf der kommunikativen Ebene.

Standen Sie nach Einsatzende weiterhin mit dem Kunden in Kontakt? Mit welcher Art der Unterstützung?
Ja, und das ist gut so. Der Kunde hat im Verlauf der Beratung erkannt, dass die strategische Ausrichtung seines Unternehmens zu wenig klar und zielgerichtet ist und sich zu stark an die eigenen Wünsche anlehnt.

Er hat deswegen schon bald nach Abschluss des ersten Beratungseinsatzes den Antrag für einen Folgeeinsatz gestellt, bei dem es dann um die Geschäftsentwicklung gehen wird. Und was mich besonders freut: Er wünscht sich dabei, dass ich ihn begleiten und unterstützen soll.

Wie schätzen Sie den Einfluss der Corona-Pandemie auf den Beratungserfolg dieses Ferneinsatzes ein?
Es ist zu befürchten, dass die Pandemie vor allem in Afrika noch einige Zeit ein zentrales Thema bleiben wird und tiefe Spuren in der Bevölkerung und in der Wirtschaft hinterlässt. Der inländische Handel in Uganda ist stark personalgetrieben, wenig automatisiert und die digitale Verknüpfung der Versorgungsketten ist noch in den Anfängen. Die Einführung und der Betrieb eines Auftragsabwicklungs- und Lagerverwaltungssystems sind demgegenüber unabhängig der Pandemie. Sie hat daher keinen Einfluss auf den Beratungserfolg.

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