Für viele Unternehmen bedeutet Wachstum nicht nur, mehr zu verkaufen oder zu expandieren. Es bedeutet auch, Prozesse zu strukturieren, Teams zu stärken und sich an neue Anforderungen anzupassen, ohne die eigene Identität zu verlieren. In Honduras, wo Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen (KKMU) fast 70 % der Arbeitsplätze schaffen, gehören diese Herausforderungen zum Alltag tausender Unternehmen, die die Wirtschaft beleben und Chancen in ihren Gemeinden schaffen.
In Catacamas, Olancho, kennt Arabica Coffee diesen Weg aus eigener Erfahrung. In sieben Jahren hat sich das Unternehmen von einer Idee, die aus der Leidenschaft für Kaffee entstand, zu einem Team von 30 Mitarbeitenden entwickelt und sich als Referenz für Spezialitätenkaffee in der Region etabliert.
Von Anfang an verfolgte das Unternehmen das Ziel, seinen Kundinnen und Kunden ein besonderes Erlebnis zu bieten – zusammengefasst in einem Satz, der Teil seiner Identität geworden ist: „Good Vibes and Good Coffee“. Dahinter steht der stetige Wille, sich zu verbessern, dazuzulernen und sich an die Veränderungen anzupassen, die mit dem Unternehmenswachstum einhergehen.
Doch was geschieht, wenn ein Unternehmen neue Perspektiven zulässt und von externem Fachwissen profitiert? Genau das erlebte Arabica Coffee im Rahmen seiner Weiterentwicklung mit Unterstützung des Programms Senior Expert Contact (SEC) von Swisscontact.
Diese Initiative verbindet Unternehmen mit Schweizer Fachpersonen, die jahrzehntelange Berufserfahrung einbringen, um konkrete Herausforderungen zu lösen und wichtige Geschäftsbereiche weiterzuentwickeln. Dabei geht es nicht nur um punktuelle Beratung, sondern um den direkten Wissenstransfer, die Zusammenarbeit mit den Teams und den Aufbau nachhaltiger Kompetenzen.
Wachstum bedeutet auch Veränderung
Die Geschichte von Arabica Coffee ist zudem eng mit seinem sozialen Engagement verbunden. Unter der Leitung von María José Sorto und mit einem Team, das zu rund 90 % aus Frauen besteht, schafft das Unternehmen gezielt Entwicklungsmöglichkeiten für Frauen in seiner Region.
Mit dem Wachstum des Unternehmens entstanden neue Herausforderungen: eine gleichbleibende Kundenerfahrung sicherzustellen, die interne Kommunikation zu verbessern, Prozesse zu strukturieren und das Team auf die nächste Entwicklungsphase vorzubereiten.
Vor diesem Hintergrund nahm Arabica Coffee an einer technischen Beratung im Rahmen des SEC-Programms teil. Während mehrerer Wochen arbeitete Felix Kaufmann, Spezialist für Hospitality und Betriebsmanagement, gemeinsam mit dem Team an Themen wie Führung, operative Organisation, Kundenerlebnis und Lagerbewirtschaftung.
„Wir hatten bereits seit etwa zwei Jahren über operative Verbesserungen nachgedacht. Mit der Eröffnung unseres neuen Standorts und unserem Unternehmenswachstum war dies jedoch eindeutig der nächste Schritt. Wir mussten Systeme etablieren, die es uns ermöglichen, unseren Kundinnen und Kunden einen besseren Service zu bieten und gleichzeitig unsere Abläufe besser zu organisieren und zu standardisieren.“
María José Sorto, Inhaberin von
Arabica Coffee
Über die operativen Verbesserungen hinaus half die Beratung dabei, interne Abläufe zu überprüfen, Verbesserungspotenziale zu identifizieren und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Bereichen zu stärken.
„Eine der wertvollsten Erkenntnisse war, dass Veränderung gut ist und es immer andere Wege gibt, Dinge zu tun. Manche Prozesse haben wir einfach so durchgeführt, weil wir es schon immer so gemacht hatten. Das bedeutete aber nicht, dass sie die effizienteste Lösung waren. Die Beratung hat uns geholfen, eingefahrene Muster zu hinterfragen, Veränderungen umzusetzen und die Teamarbeit zu stärken.“
Wachstum mit dem Menschen im Mittelpunkt
Besonders hervor hebt María José die Bedeutung, in die Menschen zu investieren, die Teil des Unternehmens sind. Bei Arabica Coffee, wo die Mehrheit des Teams aus Frauen besteht, bedeutet jede Weiterbildung gleichzeitig eine Chance zur beruflichen und persönlichen Entwicklung.
„Schon bevor ich Arabica gegründet habe, war es mir wichtig, anderen Menschen – insbesondere Frauen – Chancen zu eröffnen. Es ist sehr bereichernd zu sehen, wie sich Teammitglieder nicht nur beruflich, sondern auch persönlich weiterentwickelt haben. Einige sind seit sieben Jahren bei uns, und mitzuerleben, wie sie ihre Ziele und Träume verwirklichen, ist etwas ganz Besonderes.“
Anlässlich des Internationalen Tages der Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen zeigt die Geschichte von Arabica Coffee eine Realität, die viele honduranische Unternehmen teilen: Wachstum bedeutet weit mehr als die Ausweitung der Geschäftstätigkeit. Es erfordert Anpassungsfähigkeit, Lernbereitschaft, starke Teams und die Vorbereitung auf neue Herausforderungen.
Die Beratung bot dem Unternehmen die Möglichkeit, innezuhalten, die eigenen Abläufe kritisch zu prüfen und über die nächsten Entwicklungsschritte nachzudenken. Für ein wachsendes Unternehmen kann dieser Raum für Reflexion und Weiterentwicklung entscheidend sein.
Wie María José Sorto betont, wird oft angenommen, dass ein Unternehmen erst wachsen müsse, bevor es sich besser organisieren könne. Die Erfahrung von Arabica Coffee zeigt jedoch das Gegenteil: Gut strukturierte Prozesse, starke Teams und eine vorausschauende Vorbereitung schaffen die Grundlage für nachhaltiges Wachstum.
„Oft denkt man, man müsse zuerst wachsen, um sich besser zu organisieren. Wir haben jedoch gelernt, dass es genau umgekehrt ist. Man sollte vom ersten Tag an so strukturiert wie möglich arbeiten und Werkzeuge nutzen, die weiteres Wachstum ermöglichen.“
Die Erfahrung von Arabica Coffee steht beispielhaft für die Herausforderung vieler honduranischer KKMU: sich auf Wachstum vorzubereiten, ohne die eigene Identität zu verlieren. Neue Werkzeuge, Lernmöglichkeiten und starke Teams können dabei entscheidend sein, um zukünftige Herausforderungen erfolgreich zu meistern und weiterhin Chancen in den Gemeinden zu schaffen.